Humboldt Forum
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© Ethnologisches Museum – SMB / Stefan Müchler
Museen

2018 M05 23

Achtung! Die Großobjekte kommen!

von Hans-Dieter Hegner

Wie transportiert man Ausstellungsstücke, die mehr als 16 Meter lang oder über 5,5 Meter hoch sind? Die sich nicht vollständig auseinanderbauen lassen, in keinen Aufzug passen? Vor dieser – im wahrsten Sinne – Mammutaufgabe steht das Humboldt Forum im Berliner Schloss, das bei seiner Eröffnung eines der größten und modernsten Kulturhäuser Europas sein wird.

Kernstück des Hauses werden die Sammlungen sein, die neu und modern präsentiert werden. Dazu gehören unter anderem die außereuropäischen der Staatlichen Museen zu Berlin (SMB) der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die bisher in Dahlem gezeigt wurden: das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Beide sind bedeutende Museen mit weltbekannten, sehr großen Sammlungen. Das Ethnologische Museum hat allein 550.000 Objekte in seiner Obhut. Die Südseeboote und Südseehäuser sowie die buddhistischen Höhlenmalereien von der Seidenstraße sind wohl die bekanntesten Exponate des Dahlemer Bestands. Gerade diese bei den Besuchern so populären Objekte müssen besonders behutsam behandelt werden. Ihre Restaurierung, die Vorbereitung ihres Transports und ihr eigentlicher Umzug sind für die Museumsfachleute wie für die Bauschaffenden gleichermaßen spannend und eine große Herausforderung.

Bei den meisten Objekten läuft der Umzug von Dahlem ins Humboldt Forum ganz normal ab: Sobald die Klimaanlage in Betrieb und die Staubfreiheit sichergestellt sind, werden sie ab Februar 2019 Stück für Stück in die Museumsetagen und in die Ausstellungsmodule gebracht. Gut verpackt nehmen sie dann ihren Weg von Dahlem über die Anlieferungsrampe zur Kunstanlieferungsschleuse im Untergeschoss des Humboldt Forums und gelangen mit dem Lastenaufzug in die Museumsetagen.

Südseeboot in Dahlem. © Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum, Foto: Dietrich Graf
Klubhaus Palauinseln. © Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum, Foto: Dietrich Graf;
Die Höhle der Ringtragenden Tauben. © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Asiatische Kunst, Foto: Iris Papadopoulos

Die Großobjekte gehen jedoch durch keine noch so große Tür und kommen auch nicht um Ecken, obwohl das Humboldt Forum großzügig gebaut ist. Manches Stück wird man über die stattlichen Portalfenster des Hauses hereinbringen können, zum Beispiel die großen Wappenpfähle aus Nordamerika. Doch die Objekte für die großen Ausstellungskuben zum Thema Südsee müssen anders ins Humboldt Forum kommen. Die Kuben haben eine lichte Höhe von rund 15 Metern und erstrecken sich über zwei Etagen, sind fensterlos und befinden sich links und rechts neben dem großen Foyer.

Bereits ganz zu Anfang waren sich Planer des Humboldt Forums im Berliner Schloss dieser Aufgabe bewusst und haben deshalb eine nicht alltägliche Idee entworfen: Beim Bau der Kuben zum Foyer hin sollten zunächst große Öffnungen von jeweils 3,50 mal 5,60 Meter in der tragenden Betonwand gelassen werden. Diese Öffnungen werden erst dann mit Mauerwerk verschlossen, wenn die Objekte an ihrem Ziel sind. Das heißt aber auch, dass die Objekte nicht erst 2019, sondern bereits während der Baumaßnahmen in 2018 dort hineingebracht werden müssen. Hochsensible Museumsstücke auf einer Baustelle von A nach B zu bringen und zu sichern, ist wahrlich nicht alltäglich. Um all das zu koordinieren, hat die Stiftung Humboldt Forum gemeinsam mit dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) und den Staatlichen Museen eine Arbeitsgruppe Logistik gebildet. Sie setzt den ausgeklügelten Plan um.

Baustelle Anfang Januar 2018: Hier geht es lang, durchs Portal, Foyer und die Einbringungsöffnung im 1. OG. Foto: © SHF/Stephan Falk
Diesen Weg müssen die Objekte nehmen. Foto: © SHF/Stephan Falk

Doch zunächst einmal müssen die beiden Ausstellungsräume weitestgehend fertiggestellt werden: also Böden, Wände und Decken einschließlich der gewünschten Oberflächen fertiggebaut, die Anlagen der technischen Gebäudeausrüstung montiert werden. Denn wenn sich die Kisten erstmal in den Räumen befinden, darf hier nichts mehr unternommen werden, was Staub entwickelt. Bevor Gerüste und Hebezeuge für den Transport aufgebaut werden können, muss auch der Boden im Foyer fertiggestellt sein. Kräne lassen sich im Inneren des Gebäudes nicht aufstellen. Deshalb werden die Kisten mit Hubwagen über das Portal III ins Foyer gefahren und dann mit Laufkatzen auf ein Gerüst gehoben. Dort werden sie gedreht und dann durch die Öffnung in den Ausstellungskubus geschoben. Jede Kiste kommt an einen fest geplanten Platz.

Das ist notwendig, damit einerseits noch Gänge freibleiben für danach noch anstehende Arbeiten – etwa die Inbetriebnahme der Lüftungsanlage. Andererseits muss genug Platz sein, um die Objekte trotz der Enge überhaupt aufbauen zu können. Die Planungen dafür hat das Büro „Pro Denkmal“ im Auftrag der SMB übernommen. Die beiden Öffnungen werden mit einer temporären Schleuse ausgerüstet. Wenn später die Öffnungen geschlossen werden, kommt die Schleuse weg. In den Kuben werden mobile Klimageräte für die notwendige Temperatur und Luftfeuchtigkeit sorgen. Darüber hinaus wird die Stiftung Humboldt Forum natürlich für Brandschutzmaßnahmen, Schädlingsbekämpfung und Sicherheit sorgen. Bis Ende April 2018 müssen die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden, damit die großen Transportkisten ihren Weg nehmen können. Von Ende Mai bis August 2018 gehen die Großobjekte dann auf ihre Reise ins Humboldt Forum.

Bis 2019 müssen sie gut geschützt auf der Baustelle ausharren, während drumherum zu Ende gebaut wird. Hans-Dieter Hegner wurde Anfang 2016 als Vorstand für den Baubereich der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss berufen. Der Bauingenieur war zuvor als Referatsleiter im Bundesbauministerium verantwortlich für die Themen Ingenieurbauwesen, Nachhaltiges Bauen, Bauforschung und für verschiedene baukulturelle Fragen. Erst wenn Ende 2018 die Klimaanlage in Betrieb genommen wird, können die mobilen Geräte abgebaut werden.

Derzeit werden die Objekte in den geschlossenen Dahlemer Museen restauriert und für den Transport vorbereitet. Das heißt: soweit wie es geht zerlegt und in große Kisten verpackt. Die SMB errichtet darüber hinaus eine große Entwesungsanlage: Unter einem luftdichten Zelt werden die Ausstellungsstücke mit Stickstoff begast, um noch eventuell vorhandene Schädlinge abzutöten. Parallel dazu muss der Objekt-Ausgang im Dahlemer Museum vergrößert und ein neues Tor eingebaut werden. Mit dem Logistikunternehmen wird über die Route und die noch im Weg stehenden Hindernisse verhandelt, mit der BVG darüber, wie die Schwerlaster über das Gelände der U5-Baustelle bis zum Humboldt Forum gelangen.

Es gilt, die zur Verfügung stehende Zeit stringent zu nutzen. Allen Beteiligten ist klar, dass dieser Transport ein ganz besonderer Meilenstein auf dem Weg zur Eröffnung des Humboldt Forums ist.

Hans-Dieter Hegner wurde Anfang 2016 als Vorstand für den Baubereich der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss berufen. Der Bauingenieur war zuvor als Referatsleiter im Bundesbauministerium verantwortlich für die Themen Ingenieurbauwesen, Nachhaltiges Bauen, Bauforschung und für verschiedene baukulturelle Fragen.

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