Humboldt Forum
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Musik zwischen Weltreichen und Nationen – auf der Suche nach Hasan Ferid Alnar. Konzert im Rahmen von [laut] Die Welt hören

Pressemitteilung

Berlin, 6. Juni 2018

Das Humboldt Forum veranstaltet am Freitag, dem 29. Juni 2018, um 19 Uhr ein Konzert mit klassischer und zeitgenössischer türkischer Musik im Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Straße 141, 12043 Berlin. Der renommierte Kanunspieler Tahir Aydoğdu aus Ankara und das Berliner ORBIS Quartett begeben sich gemeinsam auf die Spuren des Komponisten Hasan Ferid Alnar. Dem Konzert vorangestellt ist eine Einführung in deutscher Sprache durch Erol Köymen, Musikwissenschaftler an der Universität Chicago. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung [laut] Die Welt hören statt.

Der Komponist Hasan Ferid Alnar (1906–1978) ist einer der Pioniere der Verbindung klassischer türkischer und klassischer westeuropäischer Musik. Neben Cemal Reşit Rey, Ulvi Cemal Erkin, Ahmed Adnan Saygun und Necil Kâzım Akses zählt er zu den berühmten Türkischen Fünf, einer wegweisenden Gruppe junger Komponisten in der Türkei der 20er und 30er Jahre des 19. Jahrhunderts. Hasan Ferid Alnar gehörte wie seine vier Zeitgenossen zu den ersten türkischen Komponisten, die neben ihrer Ausbildung an nationalen Schulen auch an westeuropäischen Städten wie Wien (bei Joseph Marx) und Paris ausgebildet wurden. Es gilt als wahrscheinlich, dass auf einer Berlin-Reise auch Aufnahmen von Hasan Ferid Alnar für das Berliner Phonogramm-Archiv aufgezeichnet wurden, das heute im Ethnologischen Museum bewahrt wird und Ende 2019 seinen Platz im Humboldt Forum findet. Ausgangspunkt seiner Werke ist die türkische Volks- und traditionelle Musik, die er auf innovative Weise und in verschiedensten musikalischen Gattungen mit der klassischen westeuropäischen Musik verknüpft. Hasan Ferid Alnars Musik wird in der heutigen Türkei kaum rezipiert.

Tahir Aydoğdu (*1959, Istanbul), Kanunvirtuose sowohl in traditionellen orientalischen Musikformen als auch im Jazz, folgt seit langen den Spuren des Komponisten Hasan Ferid Alnars geografisch und musikalisch. In dem von ihm gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Erol Köymen konzipierten Konzert für das Humboldt Forum erklingen einige von Alnars klassisch osmanischen Meisterwerken für Kanun solo, eine Komposition für Kanun und Streicherensemble sowie ausgewählte Werke zeitgenössischer türkischer Komponisten. Die Kanun, eines der charakteristischen Instrumente für die klassische Musik des Orients, ist ein Vorläufer der europäischen Zither. Im 13 Jahrhundert soll sie das Hauptinstrument der Mauren in Andalusien gewesen sein, die es aus dem arabischen Raum nach Europa gebracht hatten. Aydoğdu wird begleitet vom Berliner ORBIS Quartett mit Tilman Hussla und Meike-Lu Schneider, Violine, Kundri Lu Emma Schäfer, Viola, und Leo Schmidt, Violoncello, sowie dem Kontrabassisten Samuel Ortega, der das Quartett für dieses transeuropäische Konzert unterstützt. Das 2014 gegründete ORBIS Quartett ist u.a. bekannt für seine Auftritte außerhalb von klassischen Konzertsälen. In Bars, Clubs, U-Bahnhöfen und auf der Straße bringen sie ihr klassisches Repertoire, aber auch Arrangements aus dem Jazz- und dem Popbereich bis hin zu freien Improvisationen nah an ihr Publikum heran.

Die in der Ausstellung [laut] Die Welt hören präsentierten Klangarchive waren geleitet von der Vision, Kulturen anhand ihrer Klänge zu identifizieren und zu erforschen, und legen heute im Ergebnis auch den Austausch zwischen verschiedenen Kulturen offen. Das Live-Konzert macht in diesem Zusammenhang den Wandel und die Veränderung von Musik durch transkulturelle Entwicklungen unmittelbar erlebbar. Die Ausstellung [laut] Die Welt hören in der Humboldt-Box lässt anhand des Berliner Phonogramm-Archivs des Ethnologischen Museums, des Lautarchivs der Humboldt-Universität zu Berlin und der AMAR Foundation in Beirut die Faszination von Klängen in einem breiten Frequenzbereich hör- und erlebbar werden. Die beiden Berliner Sammlungen, berühmt für ihre Tonaufnahmen aus aller Welt, kommen Ende 2019 im Humboldt Forum zusammen und bereichern dieses um eine klangliche Dimension und um die Vielfalt der Sprachen – ein entscheidender Beitrag zu dessen Einzigartigkeit, die in der Ausstellung bereits jetzt zu erleben ist. Zur Erforschung unterschiedlicher Klangwelten und Klangkulturen laden bis September zudem ein breites Vermittlungsprogramm und eine vielfältige Veranstaltungsserie in ganz Berlin ein.

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Pressekontakt

Michael Mathis
Pressereferent Kommunikation Kultur & Digitales
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